Die Ethik der Buchrestaurierung


Die "Blaubeurener Empfehlungen" als Leitfaden

  • Verwendete Materialien müssen alterungsbeständig sein und mindestens der Din.... entsprechen
  • Reversibilität: alle Arbeitsschritte müssen reversibel sein, d.h. sie müssen wieder rückgängig zu machen sein. Dies wird durch die Verwendung von wasserlöslichen Klebstoffen wie Weizenstärkekleister, tierischer Leim etc. gewährleistet.
  • Originalsubstanz soweit wie möglich erhalten
  • Gleiches mit gleichem ergänzen: wo eine Ergänzung nötig ist, sollte dies der Originalsubstanz entsprechen
  • Authentizität, also Erscheinungsbild erhalten
  • keine Verfälschung
  • alle Fragmente, die für forschende Zecke bedeutsam sein könnten, sollen erhalten werden, soweit sie das Buch nicht weiter gefährden.
  • Erstellung eines Restaurierungsprotokolls mit Fotodokumentation (abhängig vom Auftraggeber und Restaurierungsaufwand)
Buchrestaurierung Minimalrestaurierung

Der Minimaleingriff

Buchrestaurierung Kapital

Daher ist das Ziel einer fachgerechten Buchrestaurierung immer die Eingriffe so minimal wie möglich zu halten.


Urkundenrestaurierung

In der Vergangenheit wurde viel Schaden durch eine unsensible Buchrestaurierung angerichtet. Dabei befand man sich im Glauben, das Beste für das Objekt zu tun. So hat man in den 60er Jahren zum Beispiel unersetzbare Handschriften zwischen Folien geklebt, also laminiert. Nun, fast 60 Jahre später stehen Restauratoren vor einer riesigen Herausforderung, diese Folien wieder abzulösen. Die Handschriften sind teilweise über 500 Jahre alt. Tintenfraß geschädigte Bestände wurden einer wässrigen Entsäuerung unterzogen, da bekannt war, das Wasser die Festigkeit von Papier erhöht. Keiner bedachte die möglichen negativen chemischen Prozesse der Eisenionen der Tinte mit dem Wasser. Es wurden Klebstoffe verwendet, die Weichmacher enthalten und alles andere als alterungsbeständig und reversibel sind. Teilweise findet man Bücher, die nichts mehr mit einem alten Buch zu tun haben. Das alte Leder ist entfernt und vollständig erneuert, das Papier beschnitten und gebleicht.

 

Die Reihe an negativen Beispielen von Buchrestaurierungen, die den Restauratoren heute tief ins Herz treffen, ist nahezu endlos. Doch die Fehler aus der Vergangenheit führten erfreulicherweise zu einer Sensibilisierung der Restauratoren und zu einem bedachterem Umgang mit unserem kulturellen Erbe. Der Minimaleingriff ist die Antwort auf die gemachten Fehler in der Buch- und Papierrestaurierung und wird auch oft als "das neue Denken in der Buchrestaurierung" bezeichnet. Er entstand aus dem Bewusstsein heraus, das ein restauratorischer Eingriff immer mit der Gefahr einhergeht, historische Spuren zu verwischen und das Erscheinungsbild und die Authentizität zu verändern.